G.W.F.
Hegel
A. Bewußtsein
III.Kraft und Verstand, Erscheinung und übersinnliche Welt
III. Kraft und Verstand, Erscheinung und übersinnliche Welt
Dem Bewußtsein ist in der Dialektik der sinnlichen
Gewißheit das Hören und Sehen usw. vergangen, und als
Wahrnehmen ist es zu Gedanken gekommen, welche es aber erst im
Unbedingt-Allgemeinen zusammenbringt. Dies Unbedingte wäre nun
selbst wieder nichts anderes als das auf eine Seite tretende Extrem des
Fürsichseins, wenn es als ruhiges einfaches Wesen genommen
würde, denn so träte ihm das Unwesen gegenüber; aber auf
dieses bezogen wäre es selbst unwesentlich und das
Bewußtsein nicht aus der Täuschung des Wahrnehmens
herausgekommen; allein es hat sich als ein solches ergeben, welches aus
einem solchen bedingten Fürsichsein in sich zurückgegangen
ist. – Dies unbedingte Allgemeine, das nunmehr der wahre Gegenstand des
Bewußtseins [108] ist, ist noch als Gegenstand desselben; es hat
seinen Begriff als Begriff noch nicht erfaßt. Beides ist
wesentlich zu unterscheiden; dem Bewußtsein ist der Gegenstand
aus dem Verhältnisse zu einem anderen in sich zurückgegangen
und hiermit an sich Begriff geworden; aber das Bewußtsein ist
noch nicht für sich selbst der Begriff, und deswegen erkennt es in
jenem reflektierten Gegenstande nicht sich. Für uns ist dieser
Gegen stand durch die Bewegung des Bewußtseins so geworden,
daß dieses in das Werden desselben verflochten und die Reflexion
auf beiden Seiten dieselbe oder nur eine ist. Weil aber das
Bewußtsein in dieser Bewegung nur das gegenständliche
Miesen, nicht das Bewußtsein als solches zu seinem Inhalte hatte,
so ist für es das Resultat in gegenständlicher Bedeutung zu
setzen und das Bewußtsein noch von dem Gewordenen
zurücktretend, so daß ihm dasselbe als Gegenständliches
das Wesen ist.
Der Verstand hat damit zwar seine eigene Unwahrheit und die Unwahrheit
des Gegenstandes aufgehoben; und was ihm dadurch geworden, ist der
Begriff des Wahren, als an sich seiendes Wahres, das noch nicht Begriff
ist oder das des Fürsichseins des Bewußtseins entbehrt und
das der Verstand, ohne sich darin zu wissen, gewähren
läßt. Dieses treibt sein Wesen für sich selbst, so
daß das Bewußtsein keinen Anteil an seiner freien
Realisierung hat, sondern ihr nur zusieht und sie rein auffaßt.
Wir haben hiermit noch fürs erste an seine Stelle zu treten und
der Begriff zu sein, welcher das ausbildet, was in dem Resultate
enthalten ist; an diesem ausgebildeten Gegenstande, der dem
Bewußtsein als ein Seiendes sich darbietet, wird es sich erst zum
begreifenden Bewußtsein.
Das Resultat war das Unbedingt-Allgemeine, zu nächst in dem
negativen und abstrakten Sinne, daß das Bewußtsein seine
einseitigen Begriffe negierte und sie abstrahierte, nämlich sie
aufgab. Das Resultat hat aber an sich die positive Bedeutung, daß
darin die Einheit des Fürsichseins und des
Für-ein-Anderes-Seins oder der absolute Gegensatz unmittelbar als
dasselbe Wesen gesetzt ist. Es scheint zunächst nur[109] die Form
der Momente zueinander zu betreffen; aber das Fürsichsein und das
Für-Anderes-Sein ist ebensowohl der Inhalt selbst, weil der
Gegensatz in seiner Wahrheit keine andere Natur haben kann, als die
sich im Resultate ergeben hat, daß nämlich der in der
Wahrnehmung für wahr gehaltene Inhalt in der Tat nur der Form
angehört und in ihre Einheit sich auflöst. Dieser Inhalt ist
zugleich allgemein; es kann keinen anderen Inhalt geben, der durch
seine besondere Beschaffenheit sich dem entzöge, in diese
unbedingte Allgemeinheit zurückzugehen. Ein solcher Inhalt
wäre irgendeine bestimmte Weise, für sich zu sein und zu
Anderem sich zu verhalten. Allein für sich zu sein und zu Anderem
sich zu verhalten überhaupt, macht seine Natur und Wesen aus,
deren Wahrheit ist, Unbedingt-Allgemeines zu sein; und das Resultat ist
schlechthin allgemein.
Weil aber dies Unbedingt-Allgemeine Gegenstand für das
Bewußtsein ist, so tritt an ihm der Unterschied der Form und des
Inhalts hervor, und in der Gestalt des Inhalts haben die Momente das
Aussehen, in welchem sie sich zuerst darboten, einerseits allgemeines
Medium vieler bestehender Materien und andererseits in sich
reflektiertes Eins, worin ihre Selbständigkeit vertilgt ist, zu
sein. Jenes ist die Auflösung der Selbständigkeit des Dinges
oder die Passivität, die ein Sein für ein Anderes ist, dies
aber das Fürsichsein. Es ist zu sehen, wie diese Momente in der
unbedingten Allgemeinheit, die ihr Wesen ist, sich darstellen. Es
erhellt zunächst, daß sie dadurch, daß sie nur in
dieser sind, überhaupt nicht mehr auseinanderliegen, sondern
wesentlich an ihnen selbst sich aufhebende Seiten sind und nur das
Übergehen derselben ineinander gesetzt ist.
Das eine Moment erscheint also als das auf die Seite getretene Wesen,
als allgemeines Medium oder als das Bestehen selbständiger
Materien. Die Selbständigkeit dieser Materien aber ist nichts
anderes als dies Medium; oder dies Allgemeine ist durchaus die Vielheit
solcher verschiedenen Allgemeinen. Das Allgemeine ist an ihm selbst in
ungetrennter [110] Einheit mit dieser Vielheit, heißt aber: diese
Materien sind, jede wo die andere ist; sie durchdringen sich
gegenseitig, – ohne aber sich zu berühren, weil umgekehrt das
viele Unterschiedene ebenso selbständig ist. Damit ist zugleich
auch ihre reine Porosität oder ihr Aufgehobensein gesetzt. Dies
Aufgehobensein wieder oder die Reduktion dieser Verschiedenheit zum
reinen Fürsichsein ist nichts anderes als das Medium selbst und
dies die Selbständigkeit der Unterschiede. Oder die
selbständig gesetzten gehen unmittelbar in ihre Einheit und ihre
Einheit unmittelbar in die Entfaltung über und diese wieder
zurück in die Reduktion. Diese Bewegung ist aber dasjenige, was
Kraft genannt wird: das eine Moment derselben, nämlich sie als
Ausbreitung der selbständigen Materien in ihrem Sein, ist ihre
Äußerung, sie aber als das Verschwundensein derselben ist
die in sich aus ihrer Äußerung zurückgedrängte
oder die eigentliche Kraft. Aber erstens die in sich
zurückgedrängte Kraft muß sich äußern; und
zweitens in der Äußerung ist sie ebenso in sich selbst
seiende Kraft, als sie in diesem Insichselbstsein Äußerung
ist. – Indem wir so beide Momente in ihrer unmittelbaren Einheit
erhalten, so ist eigentlich der Verstand, dem der Begriff der Kraft
angehört, der Begriff, welcher die unterschiedenen Momente als
unterschiedene trägt; denn an ihr selbst sollen sie nicht
unterschieden sein; der Unterschied ist hiermit nur im Gedanken. – Oder
es ist im Obigen nur erst der Begriff der Kraft, nicht ihre
Realität gesetzt worden. In der Tat aber ist die Kraft das
Unbedingt-Allgemeine, welches, was es für ein Anderes, ebenso an
sich selbst ist; oder welches den Unterschied – denn er ist nichts
anderes als das Für-ein-Anderes-Sein – an ihm selbst hat.
Daß also die Kraft in ihrer Wahrheit sei, muß sie ganz vom
Gedanken frei gelassen und als die Substanz dieser Unterschiede gesetzt
werden, d.h. einmal: sie als diese ganze Kraft wesentlich an und
für sich bleibend, und dann: ihre Unterschiede als substantiell
oder als für sich bestehende Momente. Die Kraft als solche oder
als in sich zurückgedrängte ist. hiermit für sich [111]
als ein ausschließendes Eins, welchem die Entfaltung der Materien
ein anderes bestehendes Wesen ist, und es sind so zwei unterschiedene
selbständige Seiten gesetzt. Aber die Kraft ist auch das Ganze,
oder sie bleibt, was sie ihrem Begriffe nach ist, nämlich diese
Unterschiede bleiben reine Formen, oberflächliche verschwindende
Momente. Die Unterschiede der in sich zurückgedrängten
eigentlichen Kraft und der Entfaltung der selbständigen Materien
wären zugleich gar nicht, wenn sie nicht ein Bestehen hätten,
oder die Kraft wäre nicht, wenn sie nicht auf diese
entgegengesetzte Weise existierte, aber, sie existiert auf diese
entgegengesetzte Weise, heißt nichts anderes als: beide Momente
sind selbst zugleich selbständig. – Diese Bewegung des sich
beständig Verselbständigens der beiden Momente und ihres sich
wieder Aufhebens ist es also, was zu betrachten ist. – Es erhellt im
allgemeinen, daß diese Bewegung nichts anderes ist als die
Bewegung des Wahrnehmens, worin die beiden Seiten, das Wahr nehmende
und das Wahrgenommene zugleich, einmal als das Auffassen des Wahren
eins und Ununterschieden, dabei aber ebensowohl jede Seite in sich
reflektiert oder für sich ist. Hier sind diese beiden Seiten
Momente der Kraft; sie sind ebensowohl in einer Einheit, als diese
Einheit, welche gegen die für sich seienden Extreme als die Mitte
erscheint, sich immer in eben diese Extreme zersetzt, die erst dadurch
sind. – Die Bewegung, welche sich vorhin als das Sichselbstvernichten
widersprechender Begriffe darstellte, hat also hier die
gegenständliche Form und ist Bewegung der Kraft, als deren
Resultat das Unbedingt-Allgemeine als Ungegenständliches oder als
Inneres der Dinge hervorgeht.
Die Kraft ist, wie sie bestimmt worden, indem sie als solche oder als
in sich reflektiert vorgestellt wird, die eine Seite ihres Begriffs;
aber als ein substantiiertes Extrem, und zwar das unter der
Bestimmtheit des Eins gesetzte. Hiermit ist das Bestehen der
entfalteten Materien aus ihr ausgeschlossen und ein Anderes als sie.
Indem es notwendig ist, daß sie selbst dieses Bestehen sei oder
daß sie sich äußere, so stellt sich ihre[112]
Äußerung so vor, daß jenes Andere zu ihr hinzutritt
und sie sollizitiert. Aber in der Tat, indem sie notwendig sich
äußert, hat sie dies, was als ein anderes Wesen gesetzt war,
an ihr selbst. Es muß zurückgenommen werden, daß sie
als ein Eins und ihr Wesen, sich zu äußern, als ein Anderes,
zu ihr von außen Hinzutretendes gesetzt wurde; sie ist vielmehr
selbst dies allgemeine Medium des Bestehens der Momente als Materien;
oder sie hat sich geäußert, und was das andere
Sollizitierende sein sollte, ist sie vielmehr. Sie existiert also jetzt
als das Medium der entfalteten Materien. Aber sie hat gleich wesentlich
die Form des Aufgehobenseins der bestehenden Materien oder ist
wesentlich Eins; dies Einssein ist hiermit jetzt, da sie gesetzt ist
als das Medium von Materien, ein Anderes als sie, und sie hat dies ihr
Wesen außer ihr. Indem sie aber notwendig dies sein muß,
als was sie noch nicht gesetzt ist, so tritt dies Andere hinzu und
sollizitiert sie zur Reflexion in sich selbst oder hebt ihre
Äußerung auf. In der Tat aber ist sie selbst dieses
Insichreflektiertsein oder dies Aufgehobensein der Äußerung;
das Einssein verschwindet, wie es erschien, nämlich als ein
Anderes, sie ist es selbst, sie ist in sich zurückgedrängte
Kraft.
Das, was als Anderes auftritt und sie sowohl zur Äußerung
als zur Rückkehr in sich selbst sollizitiert, ist, wie sich
unmittelbar ergibt, selbst Kraft; denn das Andere zeigt sich ebensowohl
als allgemeines Medium wie als Eins und so, daß jede dieser
Gestalten zugleich nur als verschwindendes Moment auftritt. Die Kraft
ist hiermit dadurch, daß ein Anderes für sie und sie
für ein Anderes ist, überhaupt noch nicht aus ihrem Begriffe
herausgetreten. Es sind aber zugleich zwei Kräfte vorhanden, der
Begriff beider zwar derselbe, aber aus seiner Einheit in die Zweiheit
herausgegangen. Statt daß der Gegensatz durchaus wesentlich nur
Moment bliebe, scheint er sich durch die Entzweiung in ganz
selbständige Kräfte der Herrschaft der Einheit entzogen zu
haben. Was es mit dieser Selbständigkeit für eine Bewandtnis
hat, ist näher zu sehen. Zunächst tritt die zweite Kraft als
das Sollizitierende, [113] und zwar als allgemeines Medium seinem
Inhalte nach gegen die auf, welche als sollizitierte bestimmt ist;
indem aber jene wesentlich Abwechslung dieser beiden Momente und selbst
Kraft ist, so ist sie in der Tat gleichfalls nur erst allgemeines
Medium, indem sie dazu sollizitiert wird, und ebenso auch nur negative
Einheit, oder zum Zurückgehen der Kraft Sollizitierendes, dadurch,
daß sie sollizitiert wird. Es verwandelt sich hiermit auch dieser
Unterschied, der zwischen beiden stattfand, daß das eine das
Sollizitierende, das andere das Sollizitierte sein sollte, in dieselbe
Austauschung der Bestimmtheiten gegeneinander.
Das Spiel der beiden Kräfte besteht hiermit in diesem
entgegengesetzten Bestimmtsein beider, ihrem Füreinandersein in
dieser Bestimmung und der absoluten unmittelbaren Verwechslung der
Bestimmungen, – einem Übergange, wodurch allein diese Bestimmungen
sind, in denen die Kräfte selbständig aufzutreten scheinen.
Das Sollizitierende ist z.B. als allgemeines Medium und dagegen das
Sollizitierte als zurückgedrängte Kraft gesetzt; aber jenes
ist allgemeines Medium selbst nur dadurch, daß das andere
zurückgedrängte Kraft ist; oder diese ist vielmehr das
Sollizitierende für jenes und macht dasselbe erst zum Medium.
Jenes hat nur durch das andere seine Bestimmtheit und ist
sollizitierend nur, insofern es vom anderen dazu sollizitiert wird,
sollizitierend zu sein; und es verliert ebenso unmittelbar diese ihm
gegebene Bestimmtheit; denn diese geht an das andere über oder
vielmehr ist schon an dasselbe übergegangen; das fremde die Kraft
Sollizitierende tritt als allgemeines Medium auf, aber nur dadurch,
daß es von ihr dazu sollizitiert worden ist; d.h. aber, sie setzt
es so und ist vielmehr selbst wesentlich allgemeines Medium; sie setzt
das Sollizitierende so, darum weil diese andere Bestimmung ihr
wesentlich, d.h. weil sie vielmehr sie selbst ist.
Zur Vervollständigung der Einsicht in den Begriff dieser Bewegung
kann noch darauf aufmerksam gemacht werden, daß sich die
Unterschiede selbst in einem gedoppelten Unterschiede [114] zeigen,
einmal als Unterschiede des Inhalts, indem das eine Extrem in sich
reflektierte Kraft, das andere aber Medium der Materien ist; das andere
Mal als Unterschiede der Form, indem das eine Sollizitierendes, das
andere Sollizitiertes, Jenes tätig, dies passiv ist. Nach dem
Unterschiede des Inhalts sind sie überhaupt oder für uns
unterschieden; nach dem Unterschiede der Form aber sind sie
selbständig, in ihrer Beziehung sich voneinander selbst
abscheidend und entgegengesetzt. Daß so die Extreme nach diesen
beiden Seiten nichts an sich, sondern diese Seiten, worin ihr
unterschiedenes Wesen bestehen sollte, nur verschwindende Momente, ein
unmittelbares Übergehen Jeder in die entgegengesetzte sind, dies
wird für das Bewußtsein in der Wahrnehmung der Bewegung der
Kraft. Für uns aber war, wie oben erinnert, auch noch dies,
daß an sich die Unterschiede als Unterschiede des Inhalts und der
Form verschwanden und auf der Seite der Form dem Wesen nach das
Tätige, Sollizitierende oder Fürsichseiende dasselbe [war],
was auf der Seite des Inhalts als in sich zurückgedrängte
Kraft; das Passive, Sollizitierte oder für ein Anderes Seiende auf
der Seite der Form dasselbe, was auf der Seite des Inhalts als
allgemeines Medium der vielen Materien sich darstellte.
Es ergibt sich hieraus, daß der Begriff der Kraft durch die
Verdopplung in zwei Kräfte wirklich wird und wie er dies wird.
Diese zwei Kräfte existieren als für sich seiende Wesen; aber
ihre Existenz ist eine solche Bewegung gegeneinander, daß ihr
Sein viel mehr ein reines Gesetztsein durch ein Anderes ist, d.h.
daß ihr Sein vielmehr die reine Bedeutung des Verschwindens hat.
Sie sind nicht als Extreme, die etwas Festes für sich behielten
und nur eine äußere Eigenschaft gegeneinander in die Mitte
und in ihre Berührung schickten; sondern was sie sind, sind sie
nur in dieser Mitte und Berührung. Es ist darin unmittelbar
ebensowohl das in sich Zurückgedrängt- oder das
Fürsichsein der Kraft wie die Äußerung, das
Sollizitieren wie das Sollizitiertsein; diese Momente hiermit nicht an
zwei selbständige Extreme verteilt, [115] welche sich nur eine
entgegengesetzte Spitze böten, sondern ihr Wesen ist dies
schlechthin, jede nur durchs andere und [das], was jede so durchs
andere ist, unmittelbar nicht mehr zu sein, indem sie es ist. Sie haben
hiermit in der Tat keine eigenen Substanzen, welche sie trügen und
erhielten. Der Begriff der Kraft erhält sich vielmehr als das
Wesen in seiner Wirklichkeit selbst; die Kraft als wirkliche ist
schlechthin nur in der Äußerung, welche zugleich nichts
anderes als ein Sichselbstaufheben ist. Diese wirkliche Kraft,
vorgestellt als frei von ihrer Äußerung und für sich
seiend, ist sie die in sich zurückgedrängte Kraft; aber diese
Bestimmtheit ist In der Tat, wie sich ergeben hat, selbst nur ein
Moment der Äußerung. Die Wahrheit der Kraft bleibt also nur
der Gedanke derselben; und haltungslos stürzen die Momente ihrer
Wirklichkeit, ihre Substanzen und ihre Bewegung in eine
ununterschiedene Einheit zusammen, welche nicht die in sich
zurückgedrängte Kraft ist (denn diese ist selbst nur ein
solches Moment), sondern diese Einheit ist ihr Begriff als Begriff. Die
Realisierung der Kraft ist also zugleich Verlust der Realität; sie
ist darin vielmehr ein ganz Anderes geworden, nämlich diese
Allgemeinheit, welche der Verstand zuerst oder unmittelbar als ihr
Wesen erkennt und welche sich auch als ihr Wesen an ihrer seinsollenden
Realität [,] an den wirklichen Substanzen erweist.
Insofern wir das erste Allgemeine als den Begriff des Verstandes
betrachten, worin die Kraft noch nicht für sich ist, so ist das
zweite Jetzt ihr Wesen, wie es sich an und für sich darstellt.
Oder umgekehrt, betrachten wir das erste Allgemeine als das
Unmittelbare, das ein wirklicher Gegenstand für das
Bewußtsein sein sollte, so ist dies zweite als das Negative der
sinnlich gegenständlichen Kraft bestimmt; es ist sie, wie sie in
ihrem wahren Wesen nur als Gegenstand des Verstandes ist; jenes erste
wäre die in sich zurückgedrängte Kraft oder sie als
Substanz; dies zweite aber ist das Innere [116] der Dinge, als Inneres,
welches mit dem Begriffe als Begriff dasselbe ist.
Dieses wahrhafte Wesen der Dinge hat sich Jetzt so bestimmt, daß
es nicht unmittelbar für das Bewußtsein ist, sondern
daß dieses ein mittelbares Verhältnis zu dem Innern hat und
als Verstand durch diese Mitte des Spiels der Kräfte in den wahren
Hintergrund der Dinge blickt. Die Mitte, welche die beiden Extreme, den
Verstand und das Innere, zusammenschließt, ist das entwickelte
Sein der Kraft, das für den Verstand selbst nunmehr ein
Verschwinden ist. Es heißt darum Erscheinung, denn Schein nennen
wir das Sein, das unmittelbar an ihm selbst ein Nichtsein ist. Es ist
aber nicht nur ein Schein, sondern Erscheinung, ein Ganzes des Scheins.
Dies Ganze als Ganzes oder Allgemeines ist es, was das Innere ausmacht,
das Spiel der Kräfte, als Reflexion desselben in sich selbst. In
ihm sind für das Bewußtsein auf gegenständliche Weise
die Wesen der Wahrnehmung so gesetzt, wie sie an sich sind,
nämlich als unmittelbar in das Gegenteil ohne Ruhe und Sein sich
verwandelnde Momente, das Eins unmittelbar in das Allgemeine, das
Wesentliche unmittelbar in das Unwesentliche und umgekehrt. Dies Spiel
der Kräfte ist daher das entwickelte Negative; aber die Wahrheit
desselben ist das Positive, nämlich das Allgemeine, der
ansichseiende Gegenstand. – Das Sein desselben für das
Bewußtsein ist vermittelt durch die Bewegung der Erscheinung,
worin das Sein der Wahrnehmung und das Sinnlichgegenständliche
überhaupt nur negative Bedeutung hat, das Bewußtsein also
daraus sich in sich als in das Wahre reflektiert, aber als
Bewußtsein wieder dies Wahre zum gegenständlichen Innern
macht und diese Reflexion der Dinge von seiner Reflexion in sich selbst
unterscheidet; wie ihm die vermittelnde Bewegung ebenso noch eine
gegenständliche ist. Dies Innere ist ihm daher ein Extrem gegen
es; aber es ist ihm darum das Wahre, weil es darin als in dem Ansich
zugleich die Gewißheit seiner selbst oder das Moment seines
Fürsichseins hat; aber dieses Grundes ist es sich noch nicht [117]
bewußt, denn das Fürsichsein, welches das Innere an ihm
selbst haben sollte, wäre nichts anderes als die negative
Bewegung; aber diese ist dem Bewußtsein noch die
gegenständliche verschwindende Erscheinung, noch nicht sein
eigenes Fürsichsein; das Innere ist ihm daher wohl Begriff, aber
es kennt die Natur des Begriffes noch nicht.
In diesem inneren Wahren, als dem Absolut-Allgemeinen, welches vom
Gegensatze des Allgemeinen und Einzelnen gereinigt und für den
Verstand geworden ist, schließt sich erst über der
sinnlichen als der erscheinenden Welt nunmehr eine übersinnliche
als die wahre Welt auf, über dem verschwindenden Diesseits das
bleibende Jenseits, ein Ansich, welches die erste und darum selbst
unvollkommene Erscheinung der Vernunft oder nur das reine Element ist,
worin die Wahrheit ihr Wesen hat.
Unser Gegenstand ist hiermit nunmehr der Schluß, welcher zu
seinen Extremen das Innere der Dinge und den Verstand und zu seiner
Mitte die Erscheinung hat; die Bewegung dieses Schlusses aber gibt die
weitere Bestimmung dessen, was der Verstand durch die Mitte hindurch im
Innern erblickt, und die Erfahrung, welche er über dieses
Verhältnis des Zusammengeschlossenseins macht.
Noch ist das Innere reines Jenseits für das Bewußtsein, denn
es findet sich selbst in ihm noch nicht; es ist leer, denn es ist nur
das Nichts der Erscheinung und positiv das einfache Allgemeine. Diese
Weise des Innern, zu sein, stimmt unmittelbar denjenigen bei, welche
sagen, daß das Innere der Dinge nicht zu erkennen sei; aber der
Grund würde anders gefaßt werden müssen. Von diesem
Innern, wie es hier unmittelbar ist, ist allerdings keine Kenntnis
vorhanden, aber nicht deswegen, weil die Vernunft zu kurzsichtig oder
beschränkt, oder wie man es sonst nennen will, wäre
(worüber hier noch nichts bekannt ist, denn so tief sind wir noch
nicht eingedrungen), sondern um der einfachen Natur der Sache selbst
willen, weil nämlich im Leeren nichts erkannt wird oder, von der
ändern Seite ausgesprochen, weil es eben als das [118] Jenseits
des Bewußtseins bestimmt ist. – Das Resultat ist freilich
dasselbe, wenn ein Blinder in den Reichtum der übersinnlichen Welt
– wenn sie einen hat, er sei nun eigentümlicher Inhalt derselben,
oder das Bewußtsein selbst sei dieser Inhalt – und wenn ein
Sehender in die reine Finsternis oder, wenn man will, in das reine
Licht, wenn sie nur dieses ist, gestellt wird; der Sehende sieht in
seinem reinen Lichte sowenig als in seiner reinen Finsternis und gerade
soviel als der Blinde in der Fülle des Reichtums, der vor ihm
läge. Wenn es mit dem Innern und dem Zusammengeschlossensein mit
ihm durch die Erscheinung weiter nichts wäre, so bliebe nichts
übrig, als sich an die Erscheinung zu halten, d.h. etwas als wahr
zu nehmen, von dem wir wissen, daß es nicht wahr ist, oder, damit
doch in dem Leeren, welches zwar erst als Leerheit von
gegenständlichen Dingen geworden, aber, als Leerheit an sich, auch
für die Leerheit aller geistigen Verhältnisse und der
Unterschiede des Bewußtseins als Bewußtseins genommen
werden muß, – damit also in diesem so ganz Leeren, welches auch
das Heilige genannt wird, doch etwas sei, es mit Träumereien,
Erscheinungen, die das Bewußtsein sich selbst erzeugt, zu
erfüllen; es müßte sich gefallen lassen, daß so
schlecht mit ihm umgegangen wird, denn es wäre keines besseren
würdig, indem Träumereien selbst noch besser sind als seine
Leerheit.
Das Innere oder das übersinnliche Jenseits ist aber entstanden, es
kommt aus der Erscheinung her, und sie ist seine Vermittlung; oder die
Erscheinung ist sein Wesen und in der Tat seine Erfüllung. Das
Übersinnliche ist das Sinnliche und Wahrgenommene, gesetzt, wie es
in Wahrheit ist; die Wahrheit des Sinnlichen und Wahrgenommenen aber
ist, Erscheinung zu sein. Das Übersinnliche ist also die
Erscheinung als Erscheinung. – Wenn dabei gedacht wird, das
Übersinnliche sei also die sinnliche Welt oder die Welt, wie sie
für die unmittelbare sinnliche Gewißheit und Wahrnehmung
ist, so ist dies ein verkehrtes Verstehen; denn die Erscheinung ist
vielmehr nicht die Welt des sinnlichen Wissens und Wahrnehmens [119]
als seiende, sondern sie als aufgehobene oder in Wahrheit als innere
gesetzt. Es pflegt gesagt zu werden, das Übersinnliche sei nicht
die Erscheinung; dabei wird aber unter der Erscheinung nicht die
Erscheinung verstanden, sondern vielmehr die sinnliche Welt als selbst
reelle Wirklichkeit.
Der Verstand, welcher unser Gegenstand ist, befindet sich auf eben
dieser Stelle, daß ihm das Innere nur erst als das allgemeine,
noch unerfüllte Ansich geworden; das Spiel der Kräfte hat nur
eben diese negative Bedeutung, nicht an sich, und nur diese positive,
das Vermittelnde, aber außer ihm zu sein. Seine Beziehung auf das
Innere durch die Vermittlung aber ist seine Bewegung, durch welche es
sich ihm erfüllen wird. – Unmittelbar für ihn ist das Spiel
der Kräfte; das Wahre aber ist ihm das einfache Innere; die
Bewegung der Kraft ist daher ebenso nur als Einfaches überhaupt
das Wahre. Von diesem Spiele der Kräfte haben wir aber gesehen,
daß es diese Beschaffenheit hat, daß die Kraft, welche
sollizitiert wird von einer anderen Kraft, ebenso das Sollizitierende
für diese andere ist, welche selbst erst hierdurch sollizitierende
wird. Es ist hierin ebenso nur der unmittelbare Wechsel oder das
absolute Austauschen der Bestimmtheit vorhanden, welche den einzigen
Inhalt des Auftretenden ausmacht, entweder allgemeines Medium oder
negative Einheit zu sein. Es hört in seinem bestimmten Auftreten
selbst unmittelbar auf, das zu sein, als was es auftritt; es
sollizitiert durch sein bestimmtes Auftreten die andere Seite, die sich
hierdurch äußert; d. h, diese ist unmittelbar jetzt das, was
die erste sein sollte. Diese beiden Seiten, das Verhältnis des
Sollizitierens und das Verhältnis des bestimmten entgegengesetzten
Inhalts ist jedes für sich die absolute Verkehrung und
Verwechslung. Aber diese beiden Verhältnisse sind selbst wieder
dasselbe; und der Unterschied der Form, das Sollizitierte und das
Sollizitierende zu sein, ist dasselbe, was der Unterschied des Inhalts
ist, das Sollizitierte als solches, nämlich das passive Medium;
das Sollizitierende hingegen [120] das tätige, die negative
Einheit oder das Eins. Hierdurch verschwindet aller Unterschied
besonderer Kräfte, die in dieser Bewegung vorhanden sein sollten,
gegeneinander überhaupt, denn sie beruhten allein auf jenen
Unterschieden; und der Unterschied der Kräfte fällt ebenso
mit jenen beiden nur in einen zusammen. Es ist also weder die Kraft
noch das Sollizitieren und Sollizitiertwerden, noch die Bestimmtheit,
bestehendes Medium und in sich reftektierte Einheit zu sein, weder
einzeln für sich etwas, noch sind es verschiedene Gegensätze,
sondern was in diesem absoluten Wechsel ist, ist nur der Unterschied
als allgemeiner oder als ein solcher, in welchen sich die vielen
Gegensätze reduziert haben. Dieser Unterschied als allgemeiner ist
daher das Einfache an dem Spiele der Kraft selbst und das Wahre
desselben; er ist das Gesetz der Kraft.
Zu dem einfachen Unterschiede wird die absolut wechselnde Erscheinung
durch ihre Beziehung auf die Einfachheit des Innern oder des
Verstandes, Das Innere ist zunächst nur das an sich Allgemeine;
dies an sich einfache Allgemeine ist aber wesentlich ebenso absolut der
allgemeine Unterschied, denn es ist das Resultat des Wechsels selbst,
oder der Wechsel ist sein Wesen, aber der Wechsel als im Innern
gesetzt, wie er in Wahrheit ist, in dasselbe hiermit als ebenso absolut
allgemeiner, beruhigter, sich gleichbleibender Unterschied aufgenommen.
Oder die Negation ist wesentliches Moment des Allgemeinen, und sie oder
die Vermittlung also im Allgemeinen ist allgemeiner Unterschied. Er ist
im Gesetze ausgedrückt als dem beständigen Bilde der unsteten
Erscheinung, Die übersinnliche Welt ist hiermit ein ruhiges Reich
von Gesetzen, zwar jenseits der wahrgenommenen Welt, denn diese stellt
das Gesetz nur durch beständige Veränderung dar, aber in ihr
ebenso gegenwärtig und ihr unmittelbares stilles Abbild.
Dies Reich der Gesetze ist zwar die Wahrheit des Verstandes, welche an
dem Unterschiede, der in dem Gesetze ist, den Inhalt hat; es ist aber
zugleich nur seine erste Wahrheit und [121] füllt die Erscheinung
nicht aus. Das Gesetz ist in ihr gegenwärtig, aber es ist nicht
ihre ganze Gegenwart; es hat unter immer anderen Umständen eine
immer andere Wirklichkeit. Es bleibt dadurch der Erscheinung für
sich eine Seite, welche nicht im Innern ist; oder sie ist in Wahrheit
noch nicht als Erscheinung, als aufgehobenes Fürsichsein gesetzt.
Dieser Mangel des Gesetzes muß sich an ihm selbst ebenso
hervortun. Was ihm zu mangeln scheint, ist, daß es zwar den
Unterschied selbst an ihm hat, aber als allgemeinen, unbestimmten.
Insofern es aber nicht das Gesetz überhaupt, sondern ein Gesetz
ist, hat es die Bestimmtheit an ihm; und es sind damit unbestimmt viele
Gesetze vorhanden. Allein diese Vielheit ist vielmehr selbst ein
Mangel; sie widerspricht nämlich dem Prinzip des Verstandes,
welchem als Bewußtsein des einfachen Innern die an sich
allgemeine Einheit das Wahre ist. Die vielen Gesetze muß er darum
vielmehr in ein Gesetz zusammenfallen lassen, wie z.B. das Gesetz, nach
welchem der Stein fällt, und das Gesetz, nach welchem die
himmlischen Sphären sich bewegen, als ein Gesetz begriffen worden
ist. Mit diesem Ineinanderfallen aber verlieren die Gesetze ihre
Bestimmtheit; das Gesetz wird immer oberflächlicher, und es ist
damit in der Tat nicht die Einheit dieser bestimmten Gesetze, sondern
ein ihre Bestimmtheit weglassendes Gesetz gefunden; wie das eine
Gesetz, welches die Gesetze des Falles der Körper an der Erde und
der himmlischen Bewegung in sich vereint, sie beide in der Tat nicht
ausdrückt. Die Vereinigung aller Gesetze in der allgemeinen
Attraktion drückt keinen Inhalt weiter aus als eben den
bloßen Begriff des Gesetzes selbst, der darin als seiend gesetzt
ist. Die allgemeine Attraktion sagt nur dies, daß alles einen
beständigen Unterschied zu Anderem hat. Der Verstand meint dabei
ein allgemeines Gesetz gefunden zu haben, welches die allgemeine
Wirklichkeit als solche ausdrücke; aber [er] hat in der Tat nur
den Begriff des Gesetzes selbst gefunden, jedoch so, daß er
zugleich dies damit aussagt: alle Wirklichkeit ist an ihr selbst
gesetzmäßig. [122] Der Ausdruck der allgemeinen Attraktion
hat darum insofern große Wichtigkeit, als er gegen das
gedankenlose Vorstellen gerichtet ist, welchem alles in der Gestalt der
Zufälligkeit sich darbietet und welchem die Bestimmtheit die Form
der sinnlichen Selbständigkeit hat.
Es steht somit den bestimmten Gesetzen die allgemeine Attraktion oder
der reine Begriff des Gesetzes gegenüber. Insofern dieser reine
Begriff als das Wesen oder als das wahre Innere betrachtet wird,
gehört die Bestimmtheit des bestimmten Gesetzes selbst noch der
Erscheinung oder vielmehr dem sinnlichen Sein an. Allein der reine
Begriff des Gesetzes geht nicht nur über das Gesetz, welches,
selbst ein bestimmtes, anderen bestimmten Gesetzen gegenübersteht,
sondern er geht auch über das Gesetz als solches hinaus. Die
Bestimmtheit, von welcher die Rede war, ist eigentlich selbst nur
verschwindendes Moment, welches hier nicht mehr als Wesenheit vorkommen
kann; denn es ist nur das Gesetz als das Wahre vorhanden; aber der
Begriff des Gesetzes ist gegen das Gesetz selbst gekehrt. An dem
Gesetze nämlich ist der Unterschied selbst unmittelbar
aufgefaßt und in das Allgemeine aufgenommen, damit aber ein
Bestehen der Momente, deren Beziehung es ausdrückt, als
gleichgültiger und ansichseiender Wesenheiten. Diese Teile des
Unterschieds am Gesetze sind aber zugleich selbst bestimmte Seiten; der
reine Begriff des Gesetzes, als allgemeine Attraktion, muß in
seiner wahren Bedeutung so aufgefaßt werden, daß in ihm als
Absolut-Einfachem die Unterschiede, die an dem Gesetze als solchem
vorhanden sind, selbst wieder in das Innere als einfache Einheit
zurückgehen-, sie ist die innere Notwendigkeit des Gesetzes.
Das Gesetz ist dadurch auf eine gedoppelte Weise vorhanden, das eine
Mal als Gesetz, an dem die Unterschiede als selbständige Momente
ausgedrückt sind, das andere Mal in der Form des einfachen
Insichzurückgegangenseins, welche wieder Kraft genannt werden
kann, aber so, daß sie nicht die zurückgedrängte,
sondern die Kraft überhaupt oder als [123] der Begriff der Kraft
ist, eine Abstraktion, welche die Unterschiede dessen, was attrahiert
und [was] attrahiert wird, selbst in sich zieht. So ist z, B. die
einfache Elektrizität die Kraft, der Ausdruck des Unterschieds
aber fällt in das Gesetz, dieser Unterschied ist positive und
negative Elektrizität. Bei der Bewegung des Falles ist die Kraft
das Einfache, die Schwere, welche das Gesetz hat, daß die
Größen der unterschiedenen Momente der Bewegung, der
verflossenen Zeit und des durchlaufenen Raumes, sich wie Wurzel und
Quadrat zueinander verhalten. Die Elektrizität selbst ist nicht
der Unterschied an sich oder in ihrem Wesen das Doppelwesen von
positiver und negativer Elektrizität; daher man zu sagen pflegt,
sie habe das Gesetz, auf diese Weise zu sein, auch wohl, sie habe die
Eigenschaft, so sich zu äußern. Diese Eigenschaft ist zwar
wesentliche und einzige Eigenschaft dieser Kraft, oder sie ist ihr
notwendig. Aber die Notwendigkeit ist hier ein leeres Wort; die Kraft
muß eben, weil sie muß, so sich verdoppeln. Wenn freilich
positive Elektrizität gesetzt ist, ist auch negative an sich
notwendig; denn das Positive ist nur als Beziehung auf ein Negatives,
oder das Positive ist an ihm selbst der Unterschied von sich selbst,
wie ebenso das Negative. Aber daß die Elektrizität als
solche sich so teile, dies ist nicht an sich das Notwendige; sie als
einfache Kraft ist gleichgültig gegen ihr Gesetz, als positive und
negative zu sein, und wenn wir jenes ihren Begriff, dies aber ihr Sein
nennen, so ist ihr Begriff gleichgültig gegen ihr Sein; sie hat
nur diese Eigenschaft; das heißt eben, es ist ihr nicht an sich
notwendig. – Diese Gleichgültigkeit erhält eine andere
Gestalt, wenn gesagt wird, daß es zur Definition der
Elektrizität gehört, als positive und negative zu sein, oder
daß dies schlechthin ihr Begriff und Wesen ist. Alsdann
hieße ihr Sein ihre Existenz überhaupt; in jener Definition
liegt aber nicht die Notwendigkeit ihrer Existenz; sie ist entweder,
weil man sie findet, d.h. sie ist gar nicht notwendig; oder ihre
Existenz ist durch andere Kräfte, d.h. ihre Notwendigkeit ist eine
äußere. Damit aber, daß die [124] Notwendigkeit in die
Bestimmtheit des Seins durch Anderes gelegt wird, fallen wir wieder in
die Vielheit der bestimmten Gesetze zurück, die wir soeben
verließen, um das Gesetz als Gesetz zu betrachten; nur mit diesem
ist sein Begriff als Begriff oder seine Notwendigkeit zu vergleichen,
die sich aber in allen diesen Formen nur noch als ein leeres Wort
gezeigt hat.
Noch auf andere als die angezeigte Weise ist die Gleichgültigkeit
des Gesetzes und der Kraft oder des Begriffs und des Seins vorhanden.
In dem Gesetze der Bewegung z.B. ist es notwendig, daß die
Bewegung in Zeit und Raum sich teile, oder dann auch in Entfernung und
Geschwindigkeit. Indem die Bewegung nur das Verhältnis jener
Momente ist, so ist sie, das Allgemeine, hier wohl an sich selbst
geteilt; aber nun drücken diese Teile, Zeit und Raum oder
Entfernung und Geschwindigkeit, nicht an ihnen diesen Ursprung aus
einem aus; sie sind gleichgültig gegeneinander; der Raum wird
vorgestellt ohne die Zeit, die Zeit ohne den Raum und die Entfernung
wenigstens ohne die Geschwindigkeit sein zu können, – so wie ihre
Größen gleichgültig gegeneinander sind, indem sie sich
nicht wie Positives und Negatives verhalten, hiermit nicht durch ihr
Wesen aufeinander beziehen. Die Notwendigkeit der Teilung ist also hier
wohl vorhanden, aber nicht der Teile als solcher füreinander.
Darum ist aber auch Jene erste selbst nur eine vorgespiegelte, falsche
Notwendigkeit; die Bewegung ist nämlich nicht selbst als Einfaches
oder als reines Wesen vorgestellt, sondern schon als geteilt; Zeit und
Raum sind ihre selbständigen Teile oder Wesen an ihnen selbst,
oder Entfernung und Geschwindigkeit Weisen des Seins oder Vorstellens,
deren eine wohl ohne die andere sein kann, und die Bewegung [ist] daher
nur ihre oberflächliche Beziehung, nicht ihr Wesen. Als einfaches
Wesen oder als Kraft vorgestellt, ist sie wohl die Schwere, welche aber
diese Unterschiede überhaupt nicht in ihr enthält.
Der Unterschied also ist in beiden Fällen kein Unterschied an sich
selbst, entweder ist das Allgemeine, die Kraft, gleichgültig [125]
gegen die Teilung, welche im Gesetze ist, oder die Unterschiede, Teile
des Gesetzes, sind es gegeneinander. Der Verstand hat aber den Begriff
dieses Unterschiedes an sich, eben darin, daß das Gesetz
einesteils das Innere, Ansichseiende, aber in ihm zugleich
Unterschiedene ist; daß dieser Unterschied hiermit innerer
Unterschied sei, ist darin vorhanden, daß das Gesetz einfache
Kraft oder als Begriff desselben ist, also ein Unterschied des
Begriffes. Aber dieser innere Unterschied fällt nur erst noch in
den Verstand und ist noch nicht an der Sache selbst gesetzt. Es ist
also nur die eigene Notwendigkeit, was der Verstand ausspricht; einen
Unterschied, den er also nur so macht, daß er es zugleich
ausdrückt, daß der Unterschied kein Unterschied der Sache
selbst sei. Diese Notwendigkeit, die nur im Worte liegt, ist hiermit
die Hererzählung der Momente, die den Kreis derselben ausmachen;
sie werden zwar unterschieden, ihr Unterschied aber [wird] zu gleich,
kein Unterschied der Sache selbst zu sein, ausgedrückt und daher
selbst sogleich wieder aufgehoben; diese Bewegung heißt
Erklären. Es wird also ein Gesetz ausgesprochen, von diesem wird
sein an sich Allgemeines, oder der Grund, als die Kraft unterschieden;
aber von diesem Unterschiede wird gesagt, daß er keiner, sondern
vielmehr der Grund ganz so beschaffen sei wie das Gesetz. Die einzelne
Begebenheit des Blitzes z.B. wird als Allgemeines aufgefaßt und
dies Allgemeine als das Gesetz der Elektrizität ausgesprochen: die
Erklärung faßt alsdann das Gesetz in die Kraft zusammen, als
das Wesen des Gesetzes. Diese Kraft ist dann 50 beschaffen, daß,
wenn sie sich äußert, entgegengesetzte Elektrizitäten
hervortreten, die wieder ineinander verschwinden, d.h. die Kraft ist
gerade so beschaffen wie das Gesetz; es wird gesagt, daß beide
gar nicht unterschieden seien. Die Unterschiede sind die reine
allgemeine Äußerung oder das Gesetz und die reine Kraft;
beide haben aber denselben Inhalt, dieselbe Beschaffenheit; der
Unterschied als Unterschied des Inhalts, d.h. der Sache, wird also auch
wieder zurückgenommen.
[126] In dieser tautologischen Bewegung beharrt, wie sich ergibt, der
Verstand bei der ruhigen Einheit seines Gegenstandes, und die Bewegung
fällt nur in ihn selbst, nicht in den Gegenstand; sie ist ein
Erklären, das nicht nur nichts erklärt, sondern so klar ist,
daß es, indem es Anstalten macht, etwas Unterschiedenes von dem
schon Gesagten zu sagen, vielmehr nichts sagt, sondern nur dasselbe
wiederholt. An der Sache selbst entsteht durch diese Bewegung nichts
Neues, sondern sie kommt [nur] als Bewegung des Verstandes in Betracht.
In ihr aber erkennen wir nun eben dasjenige, was an dem Gesetze
vermißt wurde, nämlich den absoluten Wechsel selbst; denn
diese Bewegung, wenn wir sie näher betrachten, ist unmittelbar das
Gegenteil ihrer selbst. Sie setzt nämlich einen Unterschied,
welcher nicht nur für uns kein Unterschied ist, sondern welchen
sie selbst als Unterschied aufhebt. Es ist dies derselbe Wechsel, der
sich als das Spiel der Kräfte darstellte; es war in ihm der
Unterschied des Sollizitierenden und Sollizitierten, der sich
äußernden und der in sich zurückgedrängten Kraft;
aber es waren Unterschiede, die in Wahrheit keine waren und sich darum
auch unmittelbar wieder aufhoben. Es ist nicht nur die bloße
Einheit vorhanden, so daß kein Unterschied gesetzt wäre,
sondern es ist diese Bewegung, daß allerdings ein Unterschied
gemacht, aber, weil er keiner ist, wieder aufgehoben wird. – Mit dem
Erklären also ist der Wandel und Wechsel, der vorhin außer
dem Innern nur an der Erscheinung war, in das Übersinnliche selbst
eingedrungen; unser Bewußtsein ist aber aus dem Innern als
Gegenstande auf die andere Seite in den Verstand herübergegangen
und hat in ihm den Wechsel.
Dieser Wechsel ist so noch nicht ein Wechsel der Sache selbst, sondern
stellt sich vielmehr eben dadurch als reiner Wechsel dar, daß der
Inhalt der Momente des Wechsels derselbe bleibt. Indem aber der Begriff
als Begriff des Verstandes dasselbe ist, was das Innere der Dinge, so
wird dieser Wechsel als Gesetz des Innern für ihn. Er erfährt
also, daß es Gesetz der Erscheinung selbst ist, daß
Unterschiede werden, die [127] keine Unterschiede sind, oder daß
das Gleichnamige sich von sich selbst abstößt; und ebenso,
daß die Unterschiede nur solche sind, die in Wahrheit keine sind
und sich aufheben; oder daß das Ungleichnamige sich anzieht. –
Ein zweites Gesetz, dessen Inhalt demjenigen, was vorher Gesetz genannt
wurde, nämlich dem beständigen sich gleichbleibenden
Unterschiede entgegengesetzt ist; denn dies neue drückt vielmehr
das Ungleichwerden des Gleichen und das Gleichwerden des Ungleichen
aus. Der Begriff mutet der Gedankenlosigkeit zu, beide Gesetze
zusammenzubringen und ihrer Entgegensetzung bewußt zu werden, –
Gesetz ist das zweite freilich auch oder ein inneres sichselbstgleiches
Sein, aber eine Sichselbstgleichheit vielmehr der Ungleichheit, eine
Beständigkeit der Unbeständigkeit. – An dem Spiele der
Kräfte ergab sich dieses Gesetz als eben dieses absolute
Übergehen und als reiner Wechsel; das Gleichnamige, die Kraft,
zersetzt sich in einen Gegensatz, der zunächst als ein
selbständiger Unterschied erscheint, aber welcher sich in der Tat
keiner zu sein erweist; denn es ist das Gleichnamige, was sich von sich
selbst abstößt, und dies Abgestoßene zieht sich daher
wesentlich an, denn es ist dasselbe; der gemachte Unterschied, da er
keiner ist, hebt sich also wieder auf. Er stellt sich hiermit als
Unterschied der Sache selbst oder als absoluter Unterschied dar, und
dieser Unterschied der Sache ist also nichts anderes als das
Gleichnamige, das sich von sich abgestoßen hat und daher nur
einen Gegensatz setzt, der keiner ist.
Durch dies Prinzip wird das erste Übersinnliche, das ruhige Reich
der Gesetze, das unmittelbare Abbild der wahrgenommenen Welt in sein
Gegenteil umgekehrt; das Gesetz war überhaupt das sich
Gleichbleibende, wie seine Unterschiede; jetzt aber ist gesetzt,
daß beides vielmehr das Gegenteil seiner selbst ist; das sich
Gleiche stößt sich vielmehr von sich ab, und das sich
Ungleiche setzt sich vielmehr als das sich [128] Gleiche, In der Tat
ist nur mit dieser Bestimmung der Unterschied der innere oder
Unterschied an sich selbst, indem das Gleiche sich ungleich, das
Ungleiche sich gleich ist. – Diese zweite übersinnliche Welt ist
auf diese Weise die verkehrte Welt, und zwar, indem eine Seite schon an
der ersten übersinnlichen Welt vorhanden ist, die verkehrte dieser
ersten. Das Innere ist damit als Erscheinung vollendet. Denn die erste
übersinnliche Welt war nur die unmittelbare Erhebung der
wahrgenommenen Welt in das allgemeine Element; sie hatte ihr
notwendiges Gegenbild an dieser, welche noch für sich das Prinzip
des Wechsels und der Veränderung behielt; das erste Reich der
Gesetze entbehrte dessen, erhält es aber als verkehrte Welt.
Nach dem Gesetze dieser verkehrten Welt ist also das Gleichnamige der
ersten das Ungleiche seiner selbst, und das Ungleiche derselben ist
ebenso ihm selbst ungleich, oder es wird sich gleich. An bestimmten
Momenten wird dies sich so ergeben, daß, was im Gesetze der
ersten süß, in diesem verkehrten Ansich sauer, was in jenem
schwarz, in diesem weiß ist. Was im Gesetze der ersteren am
Magnete Nordpol, ist in seinem anderen übersinnlichen Ansich (in
der Erde nämlich) Südpol; was aber dort Südpol, ist hier
Nordpol. Ebenso was im ersten Gesetze der Elektrizität
Sauerstoffpol ist, wird in seinem anderen übersinnlichen Wesen
Wasserstoffpol; und umgekehrt, was dort der Wasserstoffpol ist, wird
hier der Sauerstoffpol. In einer anderen Sphäre ist nach dem
unmittelbaren Gesetze Rache an dem Feinde die höchste Befriedigung
der verletzten Individualität. Dieses Gesetz aber, dem, der mich
nicht als Selbstwesen behandelt, mich als Wesen gegen ihn zu zeigen und
ihn vielmehr als Wesen aufzuheben, verkehrt sich durch das Prinzip der
anderen Welt in das entgegengesetzte, die Wiederherstellung meiner als
des Wesens durch das Aufheben des fremden Wesens in
Selbstzerstörung. Wenn nun diese Verkehrung, welche in der Strafe
des Verbrechens dargestellt wird, zum Gesetze gemacht ist, so ist auch
sie wieder nur das Gesetz der einen [129] Welt, welche eine verkehrte
übersinnliche Welt sich gegenüberstehen hat, in welcher das,
was in Jener verachtet ist, zu Ehren, was in jener in Ehren steht, in
Verachtung kommt. Die nach dem Gesetze der ersten den Menschen
schändende und vertilgende Strafe verwandelt sich in ihrer
verkehrten Welt in die sein Wesen erhaltende und ihn zu Ehren bringende
Begnadigung.
Oberflächlich angesehen ist diese verkehrte Welt so das Gegenteil
der ersten, daß sie dieselbe außer ihr hat und jene erste
als eine verkehrte Wirklichkeit von sich abstößt, daß
die eine die Erscheinung, die andere aber das Ansich, die eine sie ist,
wie sie für ein Anderes, die andere dagegen, wie sie für sich
ist; so daß, um die vorigen Beispiele zu gebrauchen, was
süß schmeckt, eigentlich oder innerlich am Dinge sauer, oder
was am wirklichen Magnete der Erscheinung Nordpol ist, am inneren oder
wesentlichen Sein Südpol wäre; was an der erscheinenden
Elektrizität als Sauerstoffpol sich darstellt, an der nichterschei
nenden Wasserstoffpol wäre. Oder eine Handlung, die in der
Erscheinung Verbrechen ist, sollte im Innern eigentlich gut sein (eine
schlechte Handlung eine gute Absicht haben) können, die Strafe nur
in der Erscheinung Strafe, an sich oder in einer anderen Welt aber
Wohltat für den Verbrecher sein. Allein solche Gegensätze von
Innerem und Äußerem, von Erscheinung und
Übersinnlichem, als von zweierlei Wirklichkeiten, sind hier nicht
mehr vorhanden. Die abgestoßenen Unterschiede verteilen sich
nicht von neuem an zwei solche Substanzen, welche sie trügen und
ihnen ein getrenntes Bestehen verliehen, wodurch der Verstand aus dem
Innern heraus wieder auf seine vorige Stelle zurückfiele. Die eine
Seite oder Substanz wäre wieder die Welt der Wahrnehmung, worin
das eine der beiden Gesetze sein Wesen triebe, und ihr gegenüber
eine innere Welt, gerade eine solche sinnliche Welt wie die erste, aber
in der Vorstellung, sie könnte nicht als sinnliche Welt
aufgezeigt, nicht gesehen, gehört, geschmeckt werden, und doch
würde sie vorgestellt als eine solche sinnliche Welt. [130] Aber
in der Tat, wenn das eine Gesetzte ein Wahrgenommenes ist und sein
Ansich als das Verkehrte desselben, ebenso ein sinnlich Vorgestelltes,
so ist das Saure, was das Ansich des süßen Dinges wäre,
ein so wirkliches Ding wie es, ein saures Ding; das Schwarze, welches
das Ansich des Weißen wäre, ist das wirkliche Schwarze; der
Nordpol, welcher das Ansich des Südpols ist, ist der an demselben
Magnete vorhandene Nordpol; der Sauerstoffpol, der das Ansich des
Wasserstoffpols ist, der vorhandene Sauerstoffpol derselben Säule.
Das wirkliche Verbrechen aber hat seine Verkehrung und sein Ansich als
Möglichkeit in der Absicht als solcher, aber nicht in einer guten;
denn die Wahrheit der Absicht Ist nur die Tat selbst. Das Verbrechen
seinem Inhalte nach aber hat seine Reflexion-in-sich oder seine
Verkehrung an der wirklichen Strafe; diese ist die Aussöhnung des
Gesetzes mit der ihm im Verbrechen entgegengesetzten Wirklichkeit. Die
wirkliche Strafe endlich hat so ihre verkehrte Wirklichkeit an ihr,
daß sie eine solche Verwirklichung des Gesetzes ist, wodurch die
Tätigkeit, die es als Strafe hat, sich selbst aufhebt, es aus
tätigem wieder ruhiges und geltendes Gesetz wird und die Bewegung
der Individualität gegen es und seiner gegen sie erloschen ist.
Aus der Vorstellung also der Verkehrung, die das Wesen der einen Seite
der übersinnlichen Welt ausmacht, ist die sinnliche Vorstellung
von der Befestigung der Unterschiede in einem verschiedenen Elemente
des Bestehens zu entfernen, und dieser absolute Begriff des
Unterschiedes [ist] als innerer Unterschied, Abstoßen des
Gleichnamigen als Gleichnamigen von sich selbst und Gleichsein des
Ungleichen als Ungleichen rein darzustellen und aufzufassen. Es ist der
reine Wechsel oder die Entgegensetzung in sich selbst, der Widerspruch
zu denken. Denn in dem Unterschiede, der ein innerer ist, ist das
Entgegengesetzte nicht nur Eines von Zweien – sonst wäre es ein
Seiendes und nicht ein Entgegengesetztes –, sondern es ist das
Entgegengesetzte eines Entgegengesetzten, oder das Andere ist in ihm
unmittelbar [131] selbst vorhanden. Ich stelle wohl das Gegenteil
hierher und dorthin das Andere, wovon es das Gegenteil ist; also das
Gegenteil auf eine Seite, an und für sich ohne das Andere. Eben
darum aber. indem ich hier das Gegenteil an und für sich habe, ist
es das Gegenteil seiner selbst, oder es hat in der Tat das Andere
unmittelbar an ihm selbst. – So hat die übersinnliche Welt, welche
die verkehrte ist, über die andere zugleich übergegriffen und
[hat] sie an sich selbst; sie ist für sich die verkehrte, d.h. die
verkehrte ihrer selbst; sie ist sie selbst und ihre entgegengesetzte in
einer Einheit. Nur so ist sie der Unterschied als innerer oder
Unterschied an sich selbst oder ist als Unendlichkeit.
Durch die Unendlichkeit sehen wir das Gesetz zur Notwendigkeit an ihm
selbst vollendet und alle Momente der Erscheinung in das Innere
aufgenommen. Das Einfache des Gesetzes ist die Unendlichkeit,
heißt nach dem, was sich ergeben hat, α) es ist ein
Sichselbstgleiches, welches aber der Unterschied an sich ist; oder es
ist Gleichnamiges, welches sich von sich selbst abstößt oder
sich entzweit. Dasjenige, was die einfache Kraft genannt wurde,
verdoppelt sich selbst und ist durch ihre Unendlichkeit das Gesetz. β)
Das Entzweite, welches die in dem Gesetze vorgestellten Teile ausmacht,
stellt sich als Bestehendes dar; und [werden] sie ohne den Begriff des
inneren Unterschiedes betrachtet, [so] ist der Raum und die Zeit oder
die Entfernung und die Geschwindigkeit, welche als Momente der Schwere
auftreten, sowohl gleichgültig und ohne Notwendigkeit
füreinander als für die Schwere selbst, so wie diese einfache
Schwere gegen sie oder die einfache Elektrizität gegen das
Positive und Negative [gleichgültig] ist. γ) Durch den Begriff des
inneren Unterschiedes aber ist dies Ungleiche und Gleichgültige,
Raum und Zeit usf. ein Unterschied, welcher kein Unterschied ist oder
nur ein Unterschied des Gleichnamigen, und sein Wesen die Einheit; sie
sind als Positives und Negatives gegeneinander begeistet, und ihr Sein
ist dieses vielmehr, sich als Nichtsein zu setzen und in der Einheit
aufzuheben. [132] Es bestehen beide Unterschiedene, sie sind an sich,
sie sind an sich als Entgegengesetzte, d.h. das Entgegengesetzte ihrer
selbst, sie haben ihr Anderes an ihnen und sind nur eine Einheit.
Diese einfache Unendlichkeit oder der absolute Begriff ist das einfache
Wesen des Lebens, die Seele der Welt, das allgemeine Blut zu nennen,
welches allgegenwärtig durch keinen Unterschied getrübt noch
unterbrochen wird, das vielmehr selbst alle Unterschiede ist, so wie
ihr Aufgehobensein, also in sich pulsiert, ohne sich zu bewegen, in
sich erzittert, ohne unruhig zu sein. Sie ist sichselbstgleich, denn
die Unterschiede sind tautologisch; es sind Unterschiede, die keine
sind. Dieses sichselbstgleiche Wesen bezieht sich daher nur auf sich
selbst; auf sich selbst: so ist dies ein Anderes, worauf die Beziehung
geht, und das Beziehen auf sich selbst ist vielmehr das Entzweien, oder
eben Jene Sichselbstgleichheit ist innerer Unterschied. Diese
Entzweiten sind somit an und für sich selbst, jedes ein Gegenteil
– eines Anderen; so ist darin schon das Andere mit ihm zugleich
ausgesprochen. Oder es ist nicht das Gegenteil eines Anderen, sondern
nur das reine Gegenteil, so ist es also an ihm selbst das Gegenteil
seiner. Oder es ist überhaupt nicht ein Gegenteil, sondern rein
für sich, ein reines sichselbstgleiches Wesen, das keinen
Unterschied an ihm hat: so brauchen wir nicht zu fragen, noch weniger
das Gequäle mit solcher Frage für die Philosophie anzusehen
oder gar sie ihr für unbeantwortlich zu halten, – wie aus diesem
reinen Wesen, wie aus ihm heraus der Unterschied oder das Anderssein
komme; denn es ist schon die Entzweiung geschehen, der Unterschied ist
aus dem Sichselbstgleichen ausgeschlossen und ihm zur Seite gestellt
worden; was das Sichselbstgleiche sein sollte, ist also schon eins der
Entzweiten viel mehr, als daß es das absolute Wesen wäre.
Das Sichselbstgleiche entzweit sich, heißt darum ebensosehr: es
hebt sich als schon Entzweites, es hebt sich als Anderssein auf. Die
Einheit, von welcher gesagt zu werden pflegt, daß der Unterschied
nicht aus ihr herauskommen könne, ist in [133] der Tat selbst nur
das eine Moment der Entzweiung; sie ist die Abstraktion der
Einfachheit, welche dem Unterschiede gegenüber ist. Aber indem sie
die Abstraktion, nur das eine der Entgegengesetzten ist, so ist es
schon gesagt, daß sie das Entzweien ist; denn ist die Einheit ein
Negatives, ein Entgegengesetztes, so ist sie eben gesetzt als das,
welches die Entgegensetzung an ihm hat. Die Unterschiede von Entzweiung
und Sichselbstgleichwerden sind darum ebenso nur diese Bewegung des
Sich-Aufhebens-, denn indem das Sichselbstgleiche, welches sich erst
entzweien oder zu seinem Gegenteile werden soll, eine Abstraktion oder
schon selbst ein Entzweites ist, so Ist sein Entzweien hiermit ein
Aufheben dessen, was es ist, und also das Aufheben seines
Entzweitseins. Das Sichselbstgleichwerden ist ebenso ein Entzweien; was
sich selbst gleich wird, tritt damit der Entzweiung gegenüber;
d.h. es stellt selbst sich damit auf die Seite, oder es wird vielmehr
ein Entzweites.
Die Unendlichkeit oder diese absolute Unruhe des reinen
Sichselbstbewegens, daß, was auf irgendeine Weise, z.B. als Sein,
bestimmt ist, vielmehr das Gegenteil dieser Bestimmtheit ist, ist zwar
schon die Seele alles Bisherigen gewesen, aber im Innern erst ist sie
selbst frei hervorgetreten. Die Erscheinung oder das Spiel der
Kräfte stellt sie selbst schon dar, aber als Erklären tritt
sie zunächst frei hervor; und indem sie endlich für das
Bewußtsein Gegenstand ist, als das, was sie ist, so ist das
Bewußtsein Selbstbewußtsein. Das Erklären des
Verstandes macht zunächst nur die Beschreibung dessen, was das
Selbstbewußtsein ist. Er hebt die im Gesetze vorhandenen, schon
rein gewordenen, aber noch gleichgültigen Unterschiede auf und
setzt sie in einer Einheit, der Kraft. Dies Gleichwerden ist aber
ebenso unmittelbar ein Entzweien, denn er hebt die Unterschiede nur
dadurch auf und setzt dadurch das Eins der Kraft, daß er einen
neuen Unterschied macht, von Gesetz und Kraft, der aber zugleich kein
Unterschied ist; und hierzu, daß dieser Unterschied ebenso kein
Unterschied ist, geht er selbst darin fort, [134] daß er diesen
Unterschied wieder aufhebt, indem er die Kraft ebenso beschaffen sein
läßt als das Gesetz. – Diese Bewegung oder Notwendigkeit ist
aber so noch Notwendigkeit und Bewegung des Verstandes, oder sie als
solche ist nicht sein Gegenstand, sondern er hat in ihr positive und
negative Elektrizität, Entfernung, Geschwindigkeit,
Anziehungskraft und tausend andere Dinge zu Gegenständen, welche
den Inhalt der Momente der Bewegung ausmachen. In dem Erklären ist
eben darum so viele Selbstbefriedigung, weil das Bewußtsein
dabei, [um] es so auszudrücken, in unmittelbarem
Selbstgespräche mit sich, nur sich selbst genießt, dabei
zwar etwas anderes zu treiben scheint, aber in der Tat sich nur mit
sich selbst herumtreibt.
In dem entgegengesetzten Gesetze als der Verkehrung des ersten Gesetzes
oder in dem inneren Unterschiede wird zwar die Unendlichkeit selbst
Gegenstand des Verstandes, aber er verfehlt sie als solche wieder,
indem er den Unterschied an sich, das Sichselbstabstoßen des
Gleichnamigen und die Ungleichen, die sich anziehen, wieder an zwei
Welten oder an zwei substantielle Elemente verteilt; die Bewegung, wie
sie in der Erfahrung ist, ist ihm hier ein Geschehen, und das
Gleichnamige und das Ungleiche [sind] Prädikate, deren Wesen ein
seiendes Substrat ist. Dasselbe, was ihm in sinnlicher Hülle
Gegenstand ist, ist es uns in seiner wesentlichen Gestalt, als reiner
Begriff. Dies Auffassen des Unterschiedes, wie er in Wahrheit ist, oder
das Auffassen der Unendlichkeit als solcher ist für uns oder an
sich. Die Exposition ihres Begriffs gehört der Wissenschaft an;
das Bewußtsein aber, wie es ihn unmittelbar hat, tritt wieder als
eigene Form oder neue Gestalt des Bewußtseins auf, welche in dem
Vorhergehenden ihr Wesen nicht erkennt, sondern es für etwas ganz
anderes ansieht. – Indem ihm dieser Begriff der Unendlichkeit
Gegenstand ist, ist es also Bewußtsein des Unterschiedes als
eines unmittelbar ebensosehr Aufgehobenen; es ist für sich selbst,
es ist Unterscheidendes Ununterschiedenen oder Selbstbewußtsein.
Ich unterscheide mich von mir selbst, und [135] es ist darin
unmittelbar für mich, daß dies Unterschiedene nicht
unterschieden ist. Ich, das Gleichnamige, stoße mich von mir
selbst ab; aber dies Unterschiedene, Ungleich-Gesetzte ist unmittelbar,
indem es unterschieden ist, kein Unterschied für mich. Das
Bewußtsein eines Anderen, eines Gegenstandes überhaupt, ist
zwar selbst notwendig Selbstbewußtsein, Reflektiertsein in sich,
Bewußtsein seiner selbst in seinem Anderssein. Der notwendige
Fortgang von den bisherigen Gestalten des Bewußtseins, welchen
ihr Wahres ein Ding, ein Anderes war als sie selbst, drückt eben
dies aus, daß nicht allein das Bewußtsein vom Dinge nur
für ein Selbstbewußtsein möglich ist, sondern daß
dies allein die Wahrheit jener Gestalten ist. Aber für uns nur ist
diese Wahrheit vorhanden, noch nicht für das Bewußtsein. Das
Selbstbewußtsein ist erst für sich geworden, noch nicht als
Einheit mit dem Bewußtsein überhaupt.
Wir sehen, daß im Innern der Erscheinung der Verstand in Wahrheit nicht etwas anderes als die Erscheinung selbst, aber nicht wie sie als Spiel der Kräfte ist, sondern dasselbe in seinen absolut-allgemeinen Momenten und deren Bewegung, und in der Tat nur sich selbst erfährt. Erhoben über die Wahrnehmung stellt sich das Bewußtsein mit dem Übersinnlichen durch die Mitte der Erscheinung zusammengeschlossen dar, durch welche es in diesen Hintergrund schaut. Die beiden Extreme, das eine des reinen Innern, das andere des in dies reine Innere schauenden Innern, sind nun zusammengefallen, und wie sie als Extreme, so ist auch die Mitte, als etwas anderes als sie, verschwunden. Dieser Vorhang ist also vor dem Innern weggezogen und das Schauen des Innern in das Innere vorhanden; das Schauen des ununterschiedenen Gleichnamigen, welches sich selbst abstößt, als unterschiedenes Inneres setzt, aber für welches ebenso unmittelbar die Ununterschiedenheit beider ist, das Selbstbewußtsein. Es zeigt sich, daß hinter dem sogenannten Vorhange, welcher das Innere verdecken soll, nichts zu sehen ist, wenn wir nicht selbst dahintergehen, ebensosehr damit [136] gesehen werde, als daß etwas dahinter sei, das gesehen werden kann. Aber es ergibt sich zugleich, daß nicht ohne alle Umstände geradezu dahintergegangen werden könne; denn dies Wissen, was die Wahrheit der Vorstellung der Erscheinung und ihres Innern ist, ist selbst nur Resultat einer umständlichen Bewegung, wodurch die Weisen des Bewußtseins, [das] Meinen, Wahrnehmen und der Verstand verschwinden; und es wird sich ebenso ergeben, daß das Erkennen dessen, was das Bewußtsein weiß, indem es sich selbst weiß, noch weiterer Umstände bedarf, deren Auseinanderlegung das Folgende ist.